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Feignet, (Joseph Carl Julien de).
Demonstration, des Zwayten Mathematischen Punctes, welcher enthaltet die klare Prob, das sie anpaß in dem Befestigungs-Werckh vor schwach gehaltene Figuren... Deutsche Handschrift auf Bütten.

Kopenhagen, 27.7.1749. - (32 x 20,5 cm). (2) 10 S. Mit 3 gefalteten lavierten Federzeichnungen. Marmorpapier-Broschur der Zeit in moderner Leinwand-Kassette.

Dieses kleine Traktat behandelt die Vorzüge verschiedener Fortifikationen, die als Tenaillen angelegt, also vollkommen durch ein- und ausspringende Winkel konstruiert sind, unter Verzicht auf die leichter angreifbaren Flanken der Bastionen. Der Titel der ersten Seite umschreibt bereits weitgehend den Inhalt: Die in dem "Befestigungs-Werckh vor schwach gehaltenen Figuren" sollen durch "den immediaten Beyhülff der doppelten Tenaille, so gutt und starck, alß immer die Royal-Figuren fortificieret werden (und dadurch)... denen feindtlichen Attaquen mit größtem Nachdruckh jederzeit nach Verlangen widerstehen können; dadurch ist der Nodus Gordius aufgelöst, daran doch von denen mehristen Kunst Verständigen biß dato gezweyflet worden". Die "doppelte Tenaille" wird hier also als optimale Lösung der verbliebenen Schwachpunkte des Festungsbaus präsentiert. - Der im Dienste des dänischen Königs Friedrichs V. stehende Feignet (1698-1771) reagiert in dieser Abhandlung offenbar auf Kritik an seinem im Vorjahr erschienenen großen Werk "Kurze jedoch gründliche Gedanken von einer wahren Verbesserung der modernen Fortification" (Glückstadt, 1748). Die vorliegende Handschrift sollte wohl eine Art Nachtrag dazu bilden, blieb aber ungedruckt. Ihre Überlegungen zur Festungstheorie sind jedoch in spätere Schriften des Autors eingegangen, so vor allem in die 1771 erschienenen "Gedanken zur Verbesserung der neuern Befestigungskunst", wo er an mehreren Stellen den Gebrauch der Tenaille beschreibt. Am Ende des begleitenden Textes huldigt Feignet dem König und entschuldigt sich zugleich "...daß damit lange angehalten, allein die Materie ist so wichtig und von großen consequences daß (ich) die Sach ohnmöglich mit kürzeren Worthen verfassen können". König Friedrich V. war ein großer Förderer der Wissenschaft, der des Deutschen wohl mächtig war und zahlreiche deutsche Gelehrte an seinem Hof empfangen und gefördert hat. - Die Tenaille, deutsch "Zangenwerk", ist eine Grundrissform bei neuzeitlichen Festungen, die nur aus ein- und ausspringenden Winkeln besteht, unter Verzicht auf jegliche Flanken. Von den Wällen des ausspringenden Winkels kann der Raum vor der gegenüberliegenden Linie vollständig bestrichen werden, er wird somit "in die Zange genommen". Feignet führt diese aus Frankreich übernommenen Theorien hier erstmals in seine Anweisungen zum Festungsbau ein. - Die gesamte Abhandlung stammt von Feignet selbst, Text und Zeichnungen tragen seine Signatur (am Textende: "Dressé... par Charles de Feignet Major et Ingenieur", ebenso am Fuß der Planrisse). Im Vergleich mit anderen erhaltenen Zeichnungen und Handschriften Feignets kann auch die unsere eindeutig als Autograph von der eigenen Hand identifiziert werden. - Die sehr dekorativen Zeichnungen sind äußerst präzise, gekonnt und sauber ausgeführt, dazu schöne Schriftkartuschen, die die beiden großen mehrfarbigen Grundrisse als "Figura quarta" und "quinta" erläutern, die drei Darstellungen davor zeigen die Konstruktion der zugrundeliegenden geometrischen Schemata. - Auf holländischem Bütten mit dem "Pro-Patria"-Wasserzeichen. - Vereinzelt minimal fleckig und mit geringen Gebrauchspuren. Einband leicht berieben und bestoßen. Rücken etwas lädiert. Insgesamt gut erhalten


2.500 €