118293-01
Persischer Himmelsglobus.
Aus zwei zusammengelöteten und gravierten Kalotten bestehender Messing- oder Bronzeglobus in schwerem Messinggestell mit ornamental verziertem Meridianring mit Unterfangbügel, Horizontalring (mit Tierkreiszeichen und Beschriftung), und Ornamentring zur Stabilisierung der hexagonalen Messingfüßen. Nicht signiert und datiert. Persien (Iran), zur Zeit der Kascharendynastie (wohl Mitte 19. Jahrhundert).

- Globusdurchmesser ca. 20 cm, Gesamthöhe 45 cm, Durchmesser von Horizontal- und Fußring jeweils 25,5 cm, Gesamtgewicht: 5,3 kg.

Ein relativ großer islamischer Himmelsglobus mit arabischen Schriftzeichen in einem einfachen Naskhi-Duktus graviert. Es werden vor allem die Tierkreise durch ihre Symbole und Namen angegeben, und zwar sowohl auf dem Äquatorial- bzw. Ekliptik-Ring als auch in einer umlaufenden Zone unterhalb der Lötnaht. Hier erscheinen die Namen der Tierkreiszeichen immer im Wechsel mit einer vierblättrigen Blume. Auf der Oberfläche der gesamten Sphaira sind die Namen der Sternzeichen mit den zugehörigen Sternennamen angegeben, allerdings ohne deren genaue Position zu bezeichnen. Nur von wenigen Himmelskörpern ist die Aufgangsposition angegeben, darunter Venus und Canopus, also den hellsten Sternen, die zur Orientierung für den gesamten Himmel dienen sollen. Interessant ist die spiegelbildliche Lesart der Schrift, da sie auf die Sicht des Betrachters zum Himmel von der Erde, die sich in der Mitte der Kugel befindet, zu beziehen ist. Der Globus ist drehbar und in der Neigung verstellbar, um die Stellung den Jahreszeiten anpassen zu können (dieser Mechanismus klemmt allerdings). Bei diesem Himmelsglobus ist sogar die untere Hälfte beschriftet, die oft weggelassen wurde, da sie nicht relevant ist, hier aber liegt eine vollständige Beschriftung vor. Auf der Oberseite des Äquatorialrings ist der jeweilige Sternkreis, wie er dem Verlauf des Jahreskreises entspricht, angeordnet, immer ein Schriftfeld und links davon die Darstellung (der arabischen Lesart von rechts nach links gemäß). Die Felder um die Kartuschen sind ornamental verziert, gefüllt mit Blüten und einem runden Stanzmotiv. Da keine Signatur oder Jahreszahl gefunden werden konnte, lässt sich die zeitliche und örtliche Einordnung nur anhand von Schrift, Ornament und Vergleichsbeispielen vornehmen. Diese weisen auf eine Entstehung im persischen Raum des 19. Jahrhunderts hin, also zur Zeit der Kadscharen-Dynastie, während deren Herrschaft sich eine späte islamische Blütezeit in Wissenschaft und Kultur entwickeln konnte. - Im islamisch-arabischen Raum sind Himmels- und Erdgloben als Projektion von Karten und astronomischen Beobachtungen bereits seit dem 9. Jahrhundert in Gebrauch. Dennoch sind die erhaltenen Objekte von großer Seltenheit, insbesondere im Westen. - Leichte Gebrauchspuren (an machen Stellen minimal beschabt und wenige Kratzer, insgesamt von sehr guter Gesamterhaltung, vor allem für ein derartiges Gebrauchsobjekt.


5.500 €