88794-01
Boeckel, Jan van.
De philtris, utrum animi hominum his commoueantur, nec ne.

Hamburg, Möller, 1599. - (19 x 15 cm). 18 nn. Bll. Mit Holzschnittvignette auf dem Titel und einigen ornamentalen Initialen und Leisten. Moderner Pappband.

Einzige Ausgabe dieses seltenen Werkes über den Liebeszauber. - "Der Tractatus de philtris ist die älteste gedruckte Abhandlung, die sich speziell mit der Wirkung des Liebeszaubers auseinandersetzt, doch wurde er nur in einer Auflage gedruckt und von den Zeitgenossen anscheinend kaum zur Kenntnis genommen. Die (medizin-)historische Forschung (Urs Benno Birchler) hat die Schrift bislang übersehen. In seiner Schrift untersucht Bökel die Wirkung von Philtren (Liebestränken). Dieser bereits in der griechischen Antike geprägte Begriff umfaßte bis zum 18. Jahrhundert verschiedenartige, sowohl materielle als auch immaterielle Mittel, die nach verbreiteter Auffassung dazu geeignet waren, die leidenschaftliche Liebe eines Menschen zu einer bestimmten Person oder zu einem bestimmten Objekt zu erwecken.... Bökel vertritt den traditionellen aristotelisch-galenischen Standpunkt, der die Wirkungslosigkeit sämtlicher Philtren behauptet. Als erster Galeniker überhaupt stellt er die Einheit des Philterbegriffes explizit in Frage, indem er unter Bezug auf die Gesetze der aristotelischen Physik zwischen materiellen und immateriellen Philtren differenziert... Nach eingehender Analyse kommt er aber zu dem Schluss, dass beide Formen nicht geeignet sind, die Liebe zu einer bestimmten Person hervorzurufen... Obwohl Bökel generell die Wirkungslosigkeit sämtlicher Philtren betont, muß er erklären, warum die Zeitgenossen den Eindruck haben, daß auf die Einnahme eines Philtrums dennoch oft der intendierte Effekt folgt. Er führt dies auf den Beitrag des Teufels zurück, der die Menschen über die angebliche Wirkung der Philtren täusche und diesen unter Zuhilfenahme physiologischer Mechanismen, die jedoch von den verwendeten magischen Mitteln unabhängig seien, scheinbar eine Wirkung verleihe" (Kauertz, Claudia: Bökel, Johann. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. Gersmann, Moeller u. Schmidt). - Boeckel (1535-1605), Schüler von Melanchthon, war Stadtphysikus in Hamburg, Leibarzt der Herzöge von Braunschweig und erster Professor für Medizin an der neu gegründeten Universität Helmstädt. Bekannt wurde er durch die Beschreibung der Pestepidemie in Hamburg 1565. - Stellenweise leicht stockfleckig, sonst gut erhalten. - Hirsch/H. I, 590; VD16 B6298; Kayser-Dehn 70


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