106228-01
Aureum vellus oder Guldin Schatz und Kunstkammer: Darinnen der aller fürnem(i)sten, fürtreffenlichsten... Auctorum Schrifften und Bücher, auß dem gar uralte Schatz der uberblibnen, verborgnen, hinderhaltenen Reliquien und Monumenten der Aegyptiorum, Arabum, Chaldaeorum & Assyriorum, Königen und Weysen... in sonderbare underschiedliche Tractätlein disponiert und in das Teutsch gebracht... Sampt anderen Philosophischen, alter unnd newer Scribenten sonderbaren Tractätlein... auffs trewlichest und fleissigst an Tag geben. 5 Teile in 1 Band.
Rorschach. (Straub). (Teile 1-3) und Basel, Exertier (Teil 4) bzw. Trew (Teil 5), 1598-1604. - (22 x 16,5 cm). (8) 117 (3 (2w)) S.; (2) 102 S.; 248 S.; (8 (2w)) 303 S.; (12 (2w) 278 (2w) S. Mit einem Holzschnittporträt von Paracelsus auf dem zweiten Titel verso und 52 Textholzschnitten, davon 34 in kräftigem Kolorit der Zeit. Blindgeprägter Schweinslederband der Zeit über Holzdeckel mit dreifacher Bordüre aus Rollenstempeln und je einem zentralen Plattenstempel (Meister IB) auf den Deckeln sowie zwei intakten Messingschließen mit einfacher Ornamentgravur.
Erste Ausgabe dieser wichtigen und frühen Sammlung alchemistischer Schriften und Traktate, in dieser Vollständigkeit mit allen fünf Teilen, höchst selten und nahezu unauffindbar. - Der Titel "Aureum vellus" bezieht sich auf die berühmte Legende vom goldenen Vlies der Argonauten. Sie ist angeblich eine auf Pergament niedergeschriebene Anweisung zur Herstellung von Gold gewesen. Der Verfasser, der sich als der deutsche Alchemist Salomon Trismosin ausgibt, will angeblich mit Paracelsus in Konstantinopel zusammengetroffen sein. Die tatsächliche Existenz des Salomon Trismosin ist sehr unwahrscheinlich und nicht nachweisbar. Die ADB widmete ihm dennoch einen Artikel und bezeichnet die um 1490 entstandene Sammlung Aureum vellus als sein "berühmtes und für alle späteren Alchemisten werthvolles Werk" (Bd. 38, S. 625f.). Immerhin hätten "die ihm zugeschriebenen Werke für die Alchemisten jener Zeit keine geringere Bedeutung als die Gedichte des Homer für die griechischen Sänger" gehabt. In seiner Paracelsus-Bibliographie schreibt Gilly dazu kritischer: "Der erste Teil dieser berühmten alchemistischen Sammlung enthält die Werke des angeblichen Lehrers des Paracelsus Salomon Trismosinus, der aber ebensowenig wie der legendäre Basilius Valentinus je wirklich existiert hat. Die Erfindung dieser beiden Namen wie auch die Zurückdatierung der Lebenszeit des Isaac Hollandus entsprach vielmehr der Hoffnung einiger unbedachter Paracelsisten, durch das Vorzeigen von älteren Autoritäten der neuen Lehre des Paracelsus den Anschein eines hohen und ehrwürdigen Alters zu verleihen" (S. 58). Der zweite Teil mit dem Holzschnittporträt von Paracelsus enthält mehrere diesem untergeschobene alchemistische Aufsätze. Das Bildnis ist eine nur leicht veränderte Übernahme aus der Huserschen Paracelsus-Ausgabe von 1589. Auf die Paracelsus-Texte, darunter "Ein Gespräch von der Alchimey", folgt das Buch "Carneson" des Bartholomäus Korndörffer, den Schmieder für einen reisenden Alchemisten des mittleren 16. Jahrhunderts hielt. Im dritten Teil wird über den "Splendor Solis", den Glanz der Sonne, berichtet, reich illustriert mit 22 schönen, in der Zeit oder möglicherweise vom Verleger selbst kolorierten Holzschnitten. Diese, die Suche nach dem Stein der Weisen behandelnde Schrift, gilt daher als ein Hauptwerk der "Alchemia Picta". Der Text stammt sehr wahrscheinlich von Ulrich Poyssel, der ihn um 1440 verfasst hat, verbreitet unter dem Pseudonym des Salomon Trismosin. Poyssel war tatsächlich ein Lehrer von Paracelsus. Die Illustrationen gehen auf einen offenbar bedeutenden süddeutschen Meister des frühen 16. Jahrhunderts oder seiner Werkstatt in abgewandelter und vereinfachter Darstellung, zurück. Außerdem enthält der dritte Teil die berühmte wie bedeutende "Tabula Smaragdini Hermetis Trismegisti"; diese "smaragdene Tafel" soll von dem sagenhaften Hermes Trismegistos stammen und ist ein Grundlagentext der Alchemie, die philosophische Basis der Hermetik. In ihren allegorischen Sätzen spiegelt sich die Vorstellung des Zusammenhangs von Mikrokosmos und Makrokosmos. Weiterhin im dritten Teil enthalten ist ein Text des Bischofs Melchior von Brixen sowie mehrere Schriften von zum Teil unbekannten Verfassern. Der vierte Teil beschreibt die Bereitung des "Philosophischen Steins", insbesondere nach dem Alchemisten Caspar Hartung vom Hoff, der als Verfasser des "Kunstbüchleins" in der Mitte 16. Jahrhunderts Berühmtheit erlangt hat. Der fünfte Teil widmet sich schließlich der "Offenbarung der Philosphischen Materien", der Anwendung des Steins der Weisen und jenen Experimenten, die von Raimundus Lullus und seiner Schule durchgeführt worden sein sollen. Am Ende folgt der "Spiegel der Philosophen", zu dem zwölf schöne, wiederum kräftig kolorierte Holzschnitte gehören. Während die Illustration im ersten Teil, bis auf die Darstellung eines Brennofens, keine besondere Rolle spielt, zeigen die teils großen Holzschnitte im zweiten Teil alchemistische Gerätschaften mit Symbolen. Im Buch "Splendor Solis" des dritten Teils tritt die Illustration gleichwertig neben den Text. Die 22 großen Holzschnitte, die die Suche nach dem Stein der Weisen in allegorischen Szenen darstellen, sind in kräftigem, leuchtenden, aber nicht immer sehr sauberem Kolorit ausgeführt. In den folgenden Texten ist die Illustration (ohne Kolorit) wieder nur gelegentlich eingesetzt, dafür mit instruktiven Darstellungen wie ein kreisrundes Schema zur "Quinta essentia vini". Im fünften Teil ist der "Spiegel der Philosophie" reich illustriert, die zwölf kolorierten Holzschnitte sind hier zwar kleiner, doch von sehr origineller Darstellung. - Nach den Druckvermerken wurden die Traktate II und III "getruckt in deß Gottshauß S. Gallen Reichshoff/ Rorschach am Bodensee" (1598/99). Nach Sudhoff dürfte für die ersten beiden Traktate das Erscheinungsdatum noch vor der Herbstmesse 1598 liegen; ein Teil des Buches ist möglicherweise bereits in St. Gallen gedruckt worden, da Straub seine Druckerei während der Entstehung des Buches dorthin verlegte. Der Druckbeginn könnte indessen schon 1584 erfolgt sein. Diese sehr wichtige Sammlung alchemistischer Schriften in einem sehr frühen Rorschacher Druck ist von kaum überschätzbarer Bedeutung. Aufgrund der großen Seltenheit und Wichtigkeit für die Tradierung der Fülle grundlegender alchemistischer Abhandlungen urteilte Chorinski: "Eine der wichtigsten frühen Sammlungen alchemistischer Schriften, die den meisten Sammlungen unerreichbar blieb". Komplette Exemplare mit allen fünf Teilen der Erstausgabe sind in der Tat ein Rarissimum erster Güte und nahezu unauffindbar. Eines davon befindet sich in der Sammlung der Stiftung der Werke von C.G. Jung in Zürich, der es auch für seine Schriften benutzte. Das Getty-Exemplar enthält nur die Teile I-III. Auch die vier Exemplare der Wellcome Historical Medical Library sind inkomplett, ebenso die Exemplare der British Library, der National Library of Medicine und das von Ferguson beschriebene. - Mit demselben Druckvermerk Rorschach bzw. St. Gallen entstand schon bald (1599-1600) ein unautorisierter Nachdruck der ersten drei Teile in einer Oktavausgabe, vermutlich von Henning Grosse in Leipzig. Auch diese ist von höchster Seltenheit. - VD16 T1961 (Tle. 1-3); VD17 14:646498A (Tl. 4); VD17 14:646499H (Tl. 5); Duveen Suppl. 383 (inkomplett "Extremely rare"); Ferguson II, 469 (inkomplett); Schmieder 249 ff.; Ferchl 542; Neu 4107 (Teil 4); Kopp I, 242 ff.; Sudhoff 244 ff.; Wellcome I, 6357-59 (3 Teile); Brüning 721, 842, 843. - Nachgebunden: Theodor Meurer. Relationis historicae continuatio, oder warhafftige Beschreibung aller Fürneme(n) unn(d) gedenckwürdigen Historien, so sich hin und wider in hoch und nider Teutschland (sonderlich mit der Statt Braunschweig)... verlauffen und zugetragen. (Frankfurt). Latomus. 1606. 112 S. Mit 3 gefalteten Kupfertafeln und 2 Textholzschnitten. - Messrelation des Jahres 1606, die die Ereignisse von der Frankfurter Herbstmesse 1605 bis zur Fastenmesse 1606 zusammenfasst. - Bei dem Verfasser handelt es sich vermutlich um ein Pseudonym des Verlegers, Sigismund Latomus, dessen Nachname im Griechischen Maurer (Meurer) bedeutet, doch ist bis heute nicht ganz klar, ob Verfasser und Verleger tatsächlich dieselbe Person sind. - Die drei Radierungen stammen von Georg Keller; die erste zeigt die Belagerung Braunschweigs 1605 (Drugulin 1133), die zweite die Hinrichtung der "Pulververschwörer" in London (Drugulin 1147) und die dritte die Einnahme von Wachtendonck durch Buquoy 1605 (Drugulin 1136), der Textholzschnitt auf Seite 82 mit zwei Ansichten eines siamesischen Zwillingspaars ("Wundergeburt zu Straßburg"). - VD17 14:082406K. - Der Einband ist mit Platten- und Rollenstempeln auf beiden Deckeln verziert, die vordere Platte links unten monogrammiert "IB", darüber eine kleine Buchbindermarke, der Zahl 4 ähnlich. Bei Haebler ist diese zwar abgebildet (Tf. I, Nr. 5), allerdings stimmen die mit diesem Monogramm versehenen Plattenstempel nicht mit unseren überein. Unter den Buchbindern mit dem Monogramm "IB" führt Haebler zwei auf, die ähnliche Platten verwendeten, doch stimmen hier die Größen nicht, obwohl die Ikonographien und die Betitelungen dieselben sind. Auf der Vorderseite sieht man die Kreuzigung unter einer Arkade, mit drei Männern unter dem Kreuz und im Hintergrund die eherne Schlange; rückseitig die Auferstehung Christi über dem Grab. Die Umschriften lauten: "Ecce agnus dei qui tollit peccata mundi" und "Mors ubi (est) tuus aculeus ubi victoria tua infer(ne)". Die Rollenstempel mit den für protestantische Buchbinder typischen Reformatorenköpfen sind in der deutschen Einbanddatenbank online unter der Nummer r002914 als Werk des Wittenberger Buchbinders Andreas Bernutz ausgewiesen. Die Auferstehung ist ebenfalls mehreren Wittenberger Plattenstempeln der Bernutz-Werkstatt sehr ähnlich, so dass wir davon ausgehen können, dass es sich bei unserem Buchbinder um einen Nachfolger des in der Mitte des 16. Jahrhunderts tätigen Jörg Bernutz (= I. B.) handelt, des wohl wichtigsten Buchbinders der Familie. Der Auftraggeber des Einbands war somit vermutlich im mitteldeutschen Gebiet beheimatet (Sachsen, Thüringen) und ein in der Materie Kundiger, was aus seinen Annotationen zu entnehmen ist. - Die nachfolgenden Besitzer haben sich auf den vorderen Vorsätzen verewigt. Es handelt sich um die Familie Röhrer, eine bürgerliche Handwerkerfamilie, nachweisbar in Coburg. Sie muss gegen Ende des 17. Jahrhunderts in den Besitz des Bandes gelangt sein, die meisten Einträge stammen jedoch aus dem 18. Jahrhundert. Der Titel trägt den Besitzvermerk von Johann Georg Röhrer. Dieser war seit 1718 mit einer Anna Catharina Frommann verheiratet, Tochter eines Lebküchners, die auf dem Vorsatz als dessen Ehefrau genannt wird. Dadurch ist die Familie sicher zu identifizieren, alle erforderlichen Angaben bei Ph. C. G. Karche, Jahrbücher der Herzöglich Sächsischen Residenzstadt und des Herzogthums Coburg, Bd. III, Coburg 1853, S. 172. - Papier altersbedingt gebräunt, teils im unteren Rand etwas braun- bzw. feuchtfleckig, 3 Blatt etwas stärker gebräunt und im unteren weißen Rand leicht brüchig. Vereinzelt mit zeitgenössischen Marginalen, gelegentliche Tintenflecke, auf einer Seite im ersten Teil etwas größere im Text, ein Blatt mit kleinem, professionell restauriertem Binnenausriss (Tl. V, S. 13/14) mit nur wenig Buchstabenverlust, Innengelenke sorgsam und professionell restauriert. Der schöne Einband mit kleinem Einriss am hinteren unteren Innengelenk; stellenweise etwas berieben und an den Ecken ein wenig bestoßen, insgesamt ein schönes und breitrandiges Exemplar in guter Erhaltung. - Ein außergewöhnliches Werk, Kernstück der gesamten Alchemie der Neuzeit, hier komplett und in einem besonders schönen blindgeprägten Einband des frühen 17. Jahrhunderts.
Aureum vellus oder Guldin Schatz und Kunstkammer: Darinnen der aller fürnem(i)sten, fürtreffenlichsten... Auctorum Schrifften und Bücher, auß dem gar uralte Schatz der uberblibnen, verborgnen, hinderhaltenen Reliquien und Monumenten der Aegyptiorum, Arabum, Chaldaeorum & Assyriorum, Königen und Weysen... in sonderbare underschiedliche Tractätlein disponiert und in das Teutsch gebracht... Sampt anderen Philosophischen, alter unnd newer Scribenten sonderbaren Tractätlein... auffs trewlichest und fleissigst an Tag geben. 5 Teile in 1 Band.
Rorschach. (Straub). (Teile 1-3) und Basel, Exertier (Teil 4) bzw. Trew (Teil 5), 1598-1604. - (22 x 16,5 cm). (8) 117 (3 (2w)) S.; (2) 102 S.; 248 S.; (8 (2w)) 303 S.; (12 (2w) 278 (2w) S. Mit einem Holzschnittporträt von Paracelsus auf dem zweiten Titel verso und 52 Textholzschnitten, davon 34 in kräftigem Kolorit der Zeit. Blindgeprägter Schweinslederband der Zeit über Holzdeckel mit dreifacher Bordüre aus Rollenstempeln und je einem zentralen Plattenstempel (Meister IB) auf den Deckeln sowie zwei intakten Messingschließen mit einfacher Ornamentgravur.
Erste Ausgabe dieser wichtigen und frühen Sammlung alchemistischer Schriften und Traktate, in dieser Vollständigkeit mit allen fünf Teilen, höchst selten und nahezu unauffindbar. - Der Titel "Aureum vellus" bezieht sich auf die berühmte Legende vom goldenen Vlies der Argonauten. Sie ist angeblich eine auf Pergament niedergeschriebene Anweisung zur Herstellung von Gold gewesen. Der Verfasser, der sich als der deutsche Alchemist Salomon Trismosin ausgibt, will angeblich mit Paracelsus in Konstantinopel zusammengetroffen sein. Die tatsächliche Existenz des Salomon Trismosin ist sehr unwahrscheinlich und nicht nachweisbar. Die ADB widmete ihm dennoch einen Artikel und bezeichnet die um 1490 entstandene Sammlung Aureum vellus als sein "berühmtes und für alle späteren Alchemisten werthvolles Werk" (Bd. 38, S. 625f.). Immerhin hätten "die ihm zugeschriebenen Werke für die Alchemisten jener Zeit keine geringere Bedeutung als die Gedichte des Homer für die griechischen Sänger" gehabt. In seiner Paracelsus-Bibliographie schreibt Gilly dazu kritischer: "Der erste Teil dieser berühmten alchemistischen Sammlung enthält die Werke des angeblichen Lehrers des Paracelsus Salomon Trismosinus, der aber ebensowenig wie der legendäre Basilius Valentinus je wirklich existiert hat. Die Erfindung dieser beiden Namen wie auch die Zurückdatierung der Lebenszeit des Isaac Hollandus entsprach vielmehr der Hoffnung einiger unbedachter Paracelsisten, durch das Vorzeigen von älteren Autoritäten der neuen Lehre des Paracelsus den Anschein eines hohen und ehrwürdigen Alters zu verleihen" (S. 58). Der zweite Teil mit dem Holzschnittporträt von Paracelsus enthält mehrere diesem untergeschobene alchemistische Aufsätze. Das Bildnis ist eine nur leicht veränderte Übernahme aus der Huserschen Paracelsus-Ausgabe von 1589. Auf die Paracelsus-Texte, darunter "Ein Gespräch von der Alchimey", folgt das Buch "Carneson" des Bartholomäus Korndörffer, den Schmieder für einen reisenden Alchemisten des mittleren 16. Jahrhunderts hielt. Im dritten Teil wird über den "Splendor Solis", den Glanz der Sonne, berichtet, reich illustriert mit 22 schönen, in der Zeit oder möglicherweise vom Verleger selbst kolorierten Holzschnitten. Diese, die Suche nach dem Stein der Weisen behandelnde Schrift, gilt daher als ein Hauptwerk der "Alchemia Picta". Der Text stammt sehr wahrscheinlich von Ulrich Poyssel, der ihn um 1440 verfasst hat, verbreitet unter dem Pseudonym des Salomon Trismosin. Poyssel war tatsächlich ein Lehrer von Paracelsus. Die Illustrationen gehen auf einen offenbar bedeutenden süddeutschen Meister des frühen 16. Jahrhunderts oder seiner Werkstatt in abgewandelter und vereinfachter Darstellung, zurück. Außerdem enthält der dritte Teil die berühmte wie bedeutende "Tabula Smaragdini Hermetis Trismegisti"; diese "smaragdene Tafel" soll von dem sagenhaften Hermes Trismegistos stammen und ist ein Grundlagentext der Alchemie, die philosophische Basis der Hermetik. In ihren allegorischen Sätzen spiegelt sich die Vorstellung des Zusammenhangs von Mikrokosmos und Makrokosmos. Weiterhin im dritten Teil enthalten ist ein Text des Bischofs Melchior von Brixen sowie mehrere Schriften von zum Teil unbekannten Verfassern. Der vierte Teil beschreibt die Bereitung des "Philosophischen Steins", insbesondere nach dem Alchemisten Caspar Hartung vom Hoff, der als Verfasser des "Kunstbüchleins" in der Mitte 16. Jahrhunderts Berühmtheit erlangt hat. Der fünfte Teil widmet sich schließlich der "Offenbarung der Philosphischen Materien", der Anwendung des Steins der Weisen und jenen Experimenten, die von Raimundus Lullus und seiner Schule durchgeführt worden sein sollen. Am Ende folgt der "Spiegel der Philosophen", zu dem zwölf schöne, wiederum kräftig kolorierte Holzschnitte gehören. Während die Illustration im ersten Teil, bis auf die Darstellung eines Brennofens, keine besondere Rolle spielt, zeigen die teils großen Holzschnitte im zweiten Teil alchemistische Gerätschaften mit Symbolen. Im Buch "Splendor Solis" des dritten Teils tritt die Illustration gleichwertig neben den Text. Die 22 großen Holzschnitte, die die Suche nach dem Stein der Weisen in allegorischen Szenen darstellen, sind in kräftigem, leuchtenden, aber nicht immer sehr sauberem Kolorit ausgeführt. In den folgenden Texten ist die Illustration (ohne Kolorit) wieder nur gelegentlich eingesetzt, dafür mit instruktiven Darstellungen wie ein kreisrundes Schema zur "Quinta essentia vini". Im fünften Teil ist der "Spiegel der Philosophie" reich illustriert, die zwölf kolorierten Holzschnitte sind hier zwar kleiner, doch von sehr origineller Darstellung. - Nach den Druckvermerken wurden die Traktate II und III "getruckt in deß Gottshauß S. Gallen Reichshoff/ Rorschach am Bodensee" (1598/99). Nach Sudhoff dürfte für die ersten beiden Traktate das Erscheinungsdatum noch vor der Herbstmesse 1598 liegen; ein Teil des Buches ist möglicherweise bereits in St. Gallen gedruckt worden, da Straub seine Druckerei während der Entstehung des Buches dorthin verlegte. Der Druckbeginn könnte indessen schon 1584 erfolgt sein. Diese sehr wichtige Sammlung alchemistischer Schriften in einem sehr frühen Rorschacher Druck ist von kaum überschätzbarer Bedeutung. Aufgrund der großen Seltenheit und Wichtigkeit für die Tradierung der Fülle grundlegender alchemistischer Abhandlungen urteilte Chorinski: "Eine der wichtigsten frühen Sammlungen alchemistischer Schriften, die den meisten Sammlungen unerreichbar blieb". Komplette Exemplare mit allen fünf Teilen der Erstausgabe sind in der Tat ein Rarissimum erster Güte und nahezu unauffindbar. Eines davon befindet sich in der Sammlung der Stiftung der Werke von C.G. Jung in Zürich, der es auch für seine Schriften benutzte. Das Getty-Exemplar enthält nur die Teile I-III. Auch die vier Exemplare der Wellcome Historical Medical Library sind inkomplett, ebenso die Exemplare der British Library, der National Library of Medicine und das von Ferguson beschriebene. - Mit demselben Druckvermerk Rorschach bzw. St. Gallen entstand schon bald (1599-1600) ein unautorisierter Nachdruck der ersten drei Teile in einer Oktavausgabe, vermutlich von Henning Grosse in Leipzig. Auch diese ist von höchster Seltenheit. - VD16 T1961 (Tle. 1-3); VD17 14:646498A (Tl. 4); VD17 14:646499H (Tl. 5); Duveen Suppl. 383 (inkomplett "Extremely rare"); Ferguson II, 469 (inkomplett); Schmieder 249 ff.; Ferchl 542; Neu 4107 (Teil 4); Kopp I, 242 ff.; Sudhoff 244 ff.; Wellcome I, 6357-59 (3 Teile); Brüning 721, 842, 843. - Nachgebunden: Theodor Meurer. Relationis historicae continuatio, oder warhafftige Beschreibung aller Fürneme(n) unn(d) gedenckwürdigen Historien, so sich hin und wider in hoch und nider Teutschland (sonderlich mit der Statt Braunschweig)... verlauffen und zugetragen. (Frankfurt). Latomus. 1606. 112 S. Mit 3 gefalteten Kupfertafeln und 2 Textholzschnitten. - Messrelation des Jahres 1606, die die Ereignisse von der Frankfurter Herbstmesse 1605 bis zur Fastenmesse 1606 zusammenfasst. - Bei dem Verfasser handelt es sich vermutlich um ein Pseudonym des Verlegers, Sigismund Latomus, dessen Nachname im Griechischen Maurer (Meurer) bedeutet, doch ist bis heute nicht ganz klar, ob Verfasser und Verleger tatsächlich dieselbe Person sind. - Die drei Radierungen stammen von Georg Keller; die erste zeigt die Belagerung Braunschweigs 1605 (Drugulin 1133), die zweite die Hinrichtung der "Pulververschwörer" in London (Drugulin 1147) und die dritte die Einnahme von Wachtendonck durch Buquoy 1605 (Drugulin 1136), der Textholzschnitt auf Seite 82 mit zwei Ansichten eines siamesischen Zwillingspaars ("Wundergeburt zu Straßburg"). - VD17 14:082406K. - Der Einband ist mit Platten- und Rollenstempeln auf beiden Deckeln verziert, die vordere Platte links unten monogrammiert "IB", darüber eine kleine Buchbindermarke, der Zahl 4 ähnlich. Bei Haebler ist diese zwar abgebildet (Tf. I, Nr. 5), allerdings stimmen die mit diesem Monogramm versehenen Plattenstempel nicht mit unseren überein. Unter den Buchbindern mit dem Monogramm "IB" führt Haebler zwei auf, die ähnliche Platten verwendeten, doch stimmen hier die Größen nicht, obwohl die Ikonographien und die Betitelungen dieselben sind. Auf der Vorderseite sieht man die Kreuzigung unter einer Arkade, mit drei Männern unter dem Kreuz und im Hintergrund die eherne Schlange; rückseitig die Auferstehung Christi über dem Grab. Die Umschriften lauten: "Ecce agnus dei qui tollit peccata mundi" und "Mors ubi (est) tuus aculeus ubi victoria tua infer(ne)". Die Rollenstempel mit den für protestantische Buchbinder typischen Reformatorenköpfen sind in der deutschen Einbanddatenbank online unter der Nummer r002914 als Werk des Wittenberger Buchbinders Andreas Bernutz ausgewiesen. Die Auferstehung ist ebenfalls mehreren Wittenberger Plattenstempeln der Bernutz-Werkstatt sehr ähnlich, so dass wir davon ausgehen können, dass es sich bei unserem Buchbinder um einen Nachfolger des in der Mitte des 16. Jahrhunderts tätigen Jörg Bernutz (= I. B.) handelt, des wohl wichtigsten Buchbinders der Familie. Der Auftraggeber des Einbands war somit vermutlich im mitteldeutschen Gebiet beheimatet (Sachsen, Thüringen) und ein in der Materie Kundiger, was aus seinen Annotationen zu entnehmen ist. - Die nachfolgenden Besitzer haben sich auf den vorderen Vorsätzen verewigt. Es handelt sich um die Familie Röhrer, eine bürgerliche Handwerkerfamilie, nachweisbar in Coburg. Sie muss gegen Ende des 17. Jahrhunderts in den Besitz des Bandes gelangt sein, die meisten Einträge stammen jedoch aus dem 18. Jahrhundert. Der Titel trägt den Besitzvermerk von Johann Georg Röhrer. Dieser war seit 1718 mit einer Anna Catharina Frommann verheiratet, Tochter eines Lebküchners, die auf dem Vorsatz als dessen Ehefrau genannt wird. Dadurch ist die Familie sicher zu identifizieren, alle erforderlichen Angaben bei Ph. C. G. Karche, Jahrbücher der Herzöglich Sächsischen Residenzstadt und des Herzogthums Coburg, Bd. III, Coburg 1853, S. 172. - Papier altersbedingt gebräunt, teils im unteren Rand etwas braun- bzw. feuchtfleckig, 3 Blatt etwas stärker gebräunt und im unteren weißen Rand leicht brüchig. Vereinzelt mit zeitgenössischen Marginalen, gelegentliche Tintenflecke, auf einer Seite im ersten Teil etwas größere im Text, ein Blatt mit kleinem, professionell restauriertem Binnenausriss (Tl. V, S. 13/14) mit nur wenig Buchstabenverlust, Innengelenke sorgsam und professionell restauriert. Der schöne Einband mit kleinem Einriss am hinteren unteren Innengelenk; stellenweise etwas berieben und an den Ecken ein wenig bestoßen, insgesamt ein schönes und breitrandiges Exemplar in guter Erhaltung. - Ein außergewöhnliches Werk, Kernstück der gesamten Alchemie der Neuzeit, hier komplett und in einem besonders schönen blindgeprägten Einband des frühen 17. Jahrhunderts.
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