113914-01
L'oeuvre philosophique et préparation philosophale. Französische und teils lateinische Handschrift auf Papier in dunkelbrauner Tinte auf sehr feinem Bütten.
Frankreich, (Ca. 1650). - (16 x 10,5 cm). 149 blind reglierte nn. Bll. (davon ca. 25 weiß). Mit ca. 40 Textfiguren in Federzeichnung mit Gerätschaften zur Destillation und zur Durchführung alchemistischer Verfahren. Pergamentband der Zeit mit 4 Wildlederschließbändern.
Alchemistisches Traktat über den sogenannten "Lapis philosophorum", den "Stein der Weisen", mit dessen Hilfe versucht wurde, nicht nur mindere Metalle in Gold oder Silber zu verwandeln, sondern auch Krankheiten zu heilen. Durch diese Experimente wurden auch zahlreiche Entdeckungen gemacht, man denke nur an das europäische Porzellan. In ganz Europa existierten in der frühen Neuzeit eine Vielzahl von Laboratorien, in denen Versuche durchgeführt wurden, die gelegentlich auch aufgezeichnet worden sind, allerdings in einer Sprache mit besonderen Begriffen, da die Alchemie gleichzeitig auch spirituell und philosophisch ausgerichtet war, was immer mit den Vorgängen einer Wandlung bzw. Läuterung einher ging. Diese Vermengung von naturwissenschaftlichem Vokabular mit spiritueller Begrifflichkeit führt oft zu diffusen Texten. Die Quellen für immer neue Aufzeichnungen waren in der frühen Neuzeit bereits sehr vielfältig, unterschiedliche Überlieferungsstränge, alle angeblich auf den sagenhaften Hermes Trismegistos in der Antike zurückgehend, wurden aufgegriffen und immer neu kombiniert. - Unsere Handschrift beginnt mit einem lateinischen Text "Liber de intentione Artis", als dessen Autor Ramon Lull genannt wird. Dieser hatte 1305 in seinem Hauptwerk "Ars generalis ultima" die "Ars magna" beschrieben, einen Weg, wie man durch mechanisches Kombinieren von Begriffen mittels einer "logischen Maschine" zu Erkenntnissen gelangen könne. Mit der Nennung von Lulls Namen, dessen vom Neuplatonismus beeinflusste Schriften lange verboten waren und der als der größte Alchemist des Mittelalters galt, wird hier versucht, durch dessen Autorität der Handschrift größere Bedeutung zu verleihen. Die mit Lulls Namen verbundenen Werke über Alchemie stammen allerdings, wie man heute weiß, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von ihm selbst, sondern wurden ihm lediglich untergeschoben. Bezug wird in unserem Manuskript offenbar auf den "Liber de intentione alchimistarum" genommen, der zu der Abhandlung über den Stein der Weisen "Quid sit materia lapidis", einer pseudo-lullianischen Schrift gehört. Laut dem "Instituto Brasileiro de Filosofia e Ciencia 'Raimundo Lulio'" ist sie "one of the most important, and probably the most beautiful of the alchemical works attributed to Lull". Jedoch ist diese Abhandlung hier nicht einfach wiedergegeben worden, sondern ihr Titel bildet nur eine Art Motto für eine erste Vorstellung der alchemistischen Grundlagen, beginnend mit einer allgemeinen Lehre von den Metallen, "Septem habemus Metalla", und den Salzen "De septem salibus et eorum Liquoribus". Am Ende des ersten Kapitels wird mit der "Multiplicatio medicinarum in quantitatis" wiederum ein Text, der angeblich von Lull stammt, zitiert. Er stammt aus dem zweiten Kapitel des "Testamentum". Als dessen älteste Schrift, die wohl noch im 14. Jahrhundert entstanden ist, war der Text in das pseudo-lullianische Sammelwerk des 17. Jahrhunderts "Theatrum Chemicum" aufgenommen worden. - Der nun folgende französische Teil beginnt mit einem "Prelude", einer Art Einführung in das Wesen der Alchemie und 37 teils ausführlichen Regeln zu dieser Kunst. Damit ist die Grundlage gelegt, sie zu praktizieren und ihr Wesen zu verstehen: "Icy com(m)ence la maničre de practiquer et comment nature est disposée par artifice ŕ la perfection de l’oeuvre" (ab fol. 33r.). Es folgt ab fol. 34r. der Traktat über den "Pierre philosophique", den Stein der Weisen: "Icy commence l’oeuvre philosophique et préparation philosophale. La dissolution du premier degré de la pierre...", über dessen Eigenschaften zum Herführen von Fäulnis, Zersetzen und Verwesung durch den Stein, "De la putrefaction corruption et mortification de la Pierre", der Kalzifikation (Kalzium-Brennung), "De la calcination de la terre du premier degré de la pierre", ferner Anweisungen zur Mischung und Herstellung von Elixieren, Liquiden und Tinkturen zur Heilung aller möglichen Krankheiten, "La maničre et façon de la mixtion et induration et coagulatio", "Maničre de faire l'elixire rouge du premier degré de la pierre", "La confection de l'eau potable pour guérir les maladies du corps humain". Auch zum Klären und Verwässern von Flüssigkeiten, der Reinigung von Metallen, Erden etc. kann der Stein Verwendung finden: "Fin de la degré de la pierre a scavoir la depluration. Selon les actions et opérations de ce degré. Icy comence et poursuit le 2. degré de la pierre qui est de la maieure dépuration et sublimation de la dicte Pierre et quelles choses par actions et operations plus sensibles", ein Kapitel "De la séparation des 4 élémets", wie man Tiere heilt, wie man Elixiere konfektioniert und aufbewahrt etc.: "De la similitude de l'affinible que la pierre acquiert en soy par exemple aux animaux" sowie "La confection de l'élixir pour la vie de l'home". - Die 40 Figuren zeigen Gerätschaften zur Destillation, darunter Reagenzgläser, Brennöfen sowie ganze Apparaturen und Laboranordnungen. Mit deren Beschreibung endet das Manuskript. Das letzte Wort "Amen" verweist auf einen bewusst gesetzten Schluss. - Die Blätter mit Bleistift nummeriert, gleichmäßig gering gebräunt und nahezu fleckenfrei. Das erste beschriebene Blatt mit sauber angesetztem Eckausschnitt (ohne Textverlust). Insgesamt ein hübsches und wohlerhaltenes Bändchen mit einer interessanten Handschrift zur mittelalterlichen Alchemie
L'oeuvre philosophique et préparation philosophale. Französische und teils lateinische Handschrift auf Papier in dunkelbrauner Tinte auf sehr feinem Bütten.
Frankreich, (Ca. 1650). - (16 x 10,5 cm). 149 blind reglierte nn. Bll. (davon ca. 25 weiß). Mit ca. 40 Textfiguren in Federzeichnung mit Gerätschaften zur Destillation und zur Durchführung alchemistischer Verfahren. Pergamentband der Zeit mit 4 Wildlederschließbändern.
Alchemistisches Traktat über den sogenannten "Lapis philosophorum", den "Stein der Weisen", mit dessen Hilfe versucht wurde, nicht nur mindere Metalle in Gold oder Silber zu verwandeln, sondern auch Krankheiten zu heilen. Durch diese Experimente wurden auch zahlreiche Entdeckungen gemacht, man denke nur an das europäische Porzellan. In ganz Europa existierten in der frühen Neuzeit eine Vielzahl von Laboratorien, in denen Versuche durchgeführt wurden, die gelegentlich auch aufgezeichnet worden sind, allerdings in einer Sprache mit besonderen Begriffen, da die Alchemie gleichzeitig auch spirituell und philosophisch ausgerichtet war, was immer mit den Vorgängen einer Wandlung bzw. Läuterung einher ging. Diese Vermengung von naturwissenschaftlichem Vokabular mit spiritueller Begrifflichkeit führt oft zu diffusen Texten. Die Quellen für immer neue Aufzeichnungen waren in der frühen Neuzeit bereits sehr vielfältig, unterschiedliche Überlieferungsstränge, alle angeblich auf den sagenhaften Hermes Trismegistos in der Antike zurückgehend, wurden aufgegriffen und immer neu kombiniert. - Unsere Handschrift beginnt mit einem lateinischen Text "Liber de intentione Artis", als dessen Autor Ramon Lull genannt wird. Dieser hatte 1305 in seinem Hauptwerk "Ars generalis ultima" die "Ars magna" beschrieben, einen Weg, wie man durch mechanisches Kombinieren von Begriffen mittels einer "logischen Maschine" zu Erkenntnissen gelangen könne. Mit der Nennung von Lulls Namen, dessen vom Neuplatonismus beeinflusste Schriften lange verboten waren und der als der größte Alchemist des Mittelalters galt, wird hier versucht, durch dessen Autorität der Handschrift größere Bedeutung zu verleihen. Die mit Lulls Namen verbundenen Werke über Alchemie stammen allerdings, wie man heute weiß, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von ihm selbst, sondern wurden ihm lediglich untergeschoben. Bezug wird in unserem Manuskript offenbar auf den "Liber de intentione alchimistarum" genommen, der zu der Abhandlung über den Stein der Weisen "Quid sit materia lapidis", einer pseudo-lullianischen Schrift gehört. Laut dem "Instituto Brasileiro de Filosofia e Ciencia 'Raimundo Lulio'" ist sie "one of the most important, and probably the most beautiful of the alchemical works attributed to Lull". Jedoch ist diese Abhandlung hier nicht einfach wiedergegeben worden, sondern ihr Titel bildet nur eine Art Motto für eine erste Vorstellung der alchemistischen Grundlagen, beginnend mit einer allgemeinen Lehre von den Metallen, "Septem habemus Metalla", und den Salzen "De septem salibus et eorum Liquoribus". Am Ende des ersten Kapitels wird mit der "Multiplicatio medicinarum in quantitatis" wiederum ein Text, der angeblich von Lull stammt, zitiert. Er stammt aus dem zweiten Kapitel des "Testamentum". Als dessen älteste Schrift, die wohl noch im 14. Jahrhundert entstanden ist, war der Text in das pseudo-lullianische Sammelwerk des 17. Jahrhunderts "Theatrum Chemicum" aufgenommen worden. - Der nun folgende französische Teil beginnt mit einem "Prelude", einer Art Einführung in das Wesen der Alchemie und 37 teils ausführlichen Regeln zu dieser Kunst. Damit ist die Grundlage gelegt, sie zu praktizieren und ihr Wesen zu verstehen: "Icy com(m)ence la maničre de practiquer et comment nature est disposée par artifice ŕ la perfection de l’oeuvre" (ab fol. 33r.). Es folgt ab fol. 34r. der Traktat über den "Pierre philosophique", den Stein der Weisen: "Icy commence l’oeuvre philosophique et préparation philosophale. La dissolution du premier degré de la pierre...", über dessen Eigenschaften zum Herführen von Fäulnis, Zersetzen und Verwesung durch den Stein, "De la putrefaction corruption et mortification de la Pierre", der Kalzifikation (Kalzium-Brennung), "De la calcination de la terre du premier degré de la pierre", ferner Anweisungen zur Mischung und Herstellung von Elixieren, Liquiden und Tinkturen zur Heilung aller möglichen Krankheiten, "La maničre et façon de la mixtion et induration et coagulatio", "Maničre de faire l'elixire rouge du premier degré de la pierre", "La confection de l'eau potable pour guérir les maladies du corps humain". Auch zum Klären und Verwässern von Flüssigkeiten, der Reinigung von Metallen, Erden etc. kann der Stein Verwendung finden: "Fin de la degré de la pierre a scavoir la depluration. Selon les actions et opérations de ce degré. Icy comence et poursuit le 2. degré de la pierre qui est de la maieure dépuration et sublimation de la dicte Pierre et quelles choses par actions et operations plus sensibles", ein Kapitel "De la séparation des 4 élémets", wie man Tiere heilt, wie man Elixiere konfektioniert und aufbewahrt etc.: "De la similitude de l'affinible que la pierre acquiert en soy par exemple aux animaux" sowie "La confection de l'élixir pour la vie de l'home". - Die 40 Figuren zeigen Gerätschaften zur Destillation, darunter Reagenzgläser, Brennöfen sowie ganze Apparaturen und Laboranordnungen. Mit deren Beschreibung endet das Manuskript. Das letzte Wort "Amen" verweist auf einen bewusst gesetzten Schluss. - Die Blätter mit Bleistift nummeriert, gleichmäßig gering gebräunt und nahezu fleckenfrei. Das erste beschriebene Blatt mit sauber angesetztem Eckausschnitt (ohne Textverlust). Insgesamt ein hübsches und wohlerhaltenes Bändchen mit einer interessanten Handschrift zur mittelalterlichen Alchemie
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