115334-01
des Bremer Vereins für Luftfahrt und des Flughafens. 2 Bände.
Bremen, 1924-64. - (23,5 x 18,5 und 25,5 x 20 cm). 85 nn. Bll./ 97 nn. Bll. (davon 39 beschrieben). Mit 7 montierten Original-Photographien, ca. 16 Zeichnungen im Text und hunderten von Einträgen von Fliegern, Industriellen und prominenten Personen aus Wissenschaft, Kunst und Kultur. Leder- bzw. Halblederband der Zeit jeweils mit dreiseitigem Goldschnitt.
Die beiden Gästebücher, die wohl wie kein zweites Dokument die Bremer Luftfahrtgeschichte über volle vier Jahrzehnte (ohne die Zeit des Zweiten Weltkriegs) illustrieren und ihre immense Bedeutung nicht nur innerhalb der deutschen, sondern auch der gesamteuropäischen Entwicklung der Fliegerei eindrucksvoll vor Augen führen. Die Einträge sind ein Who's Who der Fliegerei, fast alle Größen waren in dieser "Klause" zu Gast. Der Bremer Verein für Luftfahrt wurde 1909 durch Begeisterte für die Luftfahrt und einige Bremer Kaufleute gegründet. Auf diesen Verein, der bis heute existiert, geht die Gründung des Flughafens Bremen zurück, der ab 1910 für Vereinszwecke eingerichtet wurde und ab 1920 der kommerziellen Luftfahrt diente. Ab 1939 war der Flughafen nur noch militärischer Fliegerhorst, ab 1949 wieder Verkehrsflughafen. Die beiden vorliegenden Bände sind eine wertvolle Quelle zur Geschichte der Luftfahrt in Bremen, des Vereins und des Flughafens. In der Fliegerklause des Flughafens, die von der Familie Harzog bis zuletzt geführt wurde, fand man sich zusammen. Die Wirtin nannte man "Tante Mieze" oder auch "Mutter der Flieger, Mami Harzog". Später traf man sich im Hotel Astoria, wo ab 1953 jährliche Fliegerbälle dokumentiert sind, unter den Teilnehmern immer noch viel Prominenz der Fliegerei vor 1945. Bei den Photos handelt es sich meist um Piloten-Porträts, die teils recht launigen Zeichnungen stellen fast alle Flugzeuge dar oder es handelt sich um Karikatur-Porträts. - Das Motto des Bremer Vereins lautete "Hals und Beinbruch". Unter den Einträgen von Fliegern und Fluggästen waren auch berühmte Namen. - Der wohl prominenteste Beitrag stammt von Joachim Ringelnatz. Dieser hatte für Bremen ein ganz besonderes Faible, wie er das schon in einem 1927 veröffentlichten Gedicht zum Ausdruck brachte: "Bremen: Hier gelt ich nix, und würde gern was gelten, / Denn diese Stadt ist echt, und echt ist selten. / Reich ist die Stadt. Und schön ist ihre Haut." So erklärt sich wohl auch, warum Ringelnatz dem Gästebuch gleich eine Doppelseite widmet und sich selbst zeichnet, wie er aus den Wolken unsanft auf den Boden fällt, darunter die Zeile: "Joachim Ringelnatz, notgelandet, sehr betrübt, 1. Dez. 30". Am Rand die Namen der Städte Bremen (groß) und Stuttgart (klein, wohl das Reiseziel). Um 1930 trat Ringelnatz als reisender Vortragskünstler in einigen deutschen Städten auf, so wohl auch in Bremen. Neben die Zeichnung hat Ringelnatz den Namen seiner Kunstfigur "Kuddel Daddeldu" geschrieben. Auf der Gegenseite drei Namen in der Schrift von Ringelnatz, darunter der "Seeteufel" Felix Graf von Luckner, "als tief betrübte". Als er am 5. Mai 1932 nochmals in Bremen war, trug er sich erneut ein: "Nach 1 1/2 jähriger Carenzzeit wieder mal hier. Kuddel Daddeldu jumpte an Land. 'Es lebe der kleine Unterschied.' Ich hab Euch ja alle so gern, Kuttel", frei nach seiner "Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu". - Unter den Fliegern finden sich fast alle wichtigen deutschen Piloten der Zeit und auch einige anderer Nationen sowie erstaunlich viele Frauen, neben der alle überragenden Hanna Reitsch auch Gabriella Angelini, Liesel Bach, Thea Rasche und Melitta Schiller. - Einige ausgewählte Beiträger (in alphabetischer Reihenfolge): - Gerd Achgelis (Kunstflieger, 1908-1991 - Oktober 1928 und 22.3.1932, mit kleinem Porträtphoto, und 1953 als Teilnehmer der 25-Jahr-Feier des Ost-West-Fliegens, 14.4.1953) - Egbert Freiherr von Althaus (Major der Luftwaffe, 1894-1935 - 2.11.1929) - Gabriella (Gaby) Angelini (italienische Pilotin, Fliegerlegende, stürzte auf ihrem Flug nach Delhi 1932 ab, 1911-1932 - Eintrag 6.9.1932, "durante il mio pimo viaggio attraverso l'Europa", in ihrer Breda Ba 15) - Anton Erzherzog von Österreich (1901-1987) und sein Bruder Franz Josef (1905-1975 - 25 .8.1929) - Harald Auffahrt (Jagdpilot, 1896-1946 - 22.7.1927) - Liesel Bach (Kunstfliegerin, 1905-1992 - September 1931, auf dem "Zuverlässigkeitsflug", der über Bremen führte) - Hans Baur (Chefpilot von A. Hitler, 1897-1993 - Mai 1931 und 30.10.1932: "Mit Hitler in dem schönen Bremen.") - Lil Dagover (Schauspielerin, 1887-1980 - Eintrag ohne Datum (1926): "Für mich existieren Eisenbahnen nur noch im Notfall!" und als Ehrengast beim "Ball der Flieger" 1956) - Rudolph Deichmann (Freund Hünefelds und früherer Privatsekretär von Kaiser Wilhelm II.) - Franz-Zeno Diemer (bayerischer Flugpionier und Testpilot bei Dornier, 1889-1954, Eintrag August 1926, mit Zeichnung einer Dornier-Maschine beim Flug) - Ferdinand I., Zar von Bulgarien (1861-1948 - 9.8.1928) - Fritz Eichentopf (1926 Teilnehmer an der China-Expedition der DLH mit G 24) - Hans Grade (Maschinenbauer, Unternehmer und Flugpionier, 1879-1946 - 21.1.1934) - Erich Groth (Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg, 1907-1941 - 24.2.1935) - Hans Gygas (Konteradmiral und Direktor des Flughafens Bremen, 1872-1963 - 20.12.1927) - Alfried Gymnich (Flugkapitän, Modellflieger und Autor, 1896-1966 - 30.9.1932) - Martin Haenichen (Flugpionier, 1894-1933 - 17.9.1926, Eintrag mit kleinem Porträt-Photo) - Ada Halenza (Schriftstellerin, 1900-1990 - Eintrag als Teilnehmerin des I. Fliegerballs 1953 im Astoria Bremen) - Hellmuth Hirth (Flugpionier, Flugzeug- und Flugmotorenkonstrukteur, 1886-1938 - September 1932) - Wolf Hirth (Segelflugpionier, Ingenieur, Motorradrennfahrer und erster Präsident des Deutschen Aero Clubs nach dem Zweiten Weltkrieg, 1900-1959 - 25.11.1950, mit Zeichnung und Spruch: "Motorfliegen ist nötig und nützlich, Segelfliegen ist schön!"). - Carl Hochmuth (Pilot - 1925 der Gewinner der Klasse B beim "Deutschen Rundflug", ?-1936 - 19.12.1927 und März 1934) - Heinz Junge (Direktor der Focke-Wulf-Flugzeugbau GmbH Berlin - 2.3.1934) - Theodor Klatte (Industrieller, Flugleiter in Bremen seit 1919 - 1924) - Wilhelm Knochenhauer (Fagottvirtuose, 1872-1940 - 20.7.1925) - Erich Köhler (erster Präsident des Deutschen Bundestages, 1892-1958 - 25.2.1927) - Bruno Loerzer (Jagdflieger im Ersten und Generaloberst der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg, 1891-1960 - 4.3.1934) - Arthur Martens (Segelflugpionier und Ingenieur, stellte 1922 den ersten Stundenweltrekord im Segelfliegen auf - 27.6.1933, mit Ehefrau Lotte) - Margarete Maschmann (Opernsängerin, 1886-1978 - 15.3.1925) - Howard F. Mason (Funkingenieur, Namensgeber des Mount Mason in der Antarktis, 1901-1996 - 19.3.1929 - mit kleiner Zeichnung eines Flugzeugs) - Horst Merz (Pilot, 1891-1979 - März 1927) - Fritz Morzik (Pilot, Generalmajor, 1891-1985 - 19.7.1925 und Juni 1928) - Marga Petersen (Leichtathletin und Olympiamedaillengewinnerin, 1919-2002 - Eintrag als Teilnehmerin des I. Fliegerballs 1953 im Astoria Bremen) - Thea Rasche (Kunstfliegerin, eine der bekanntesten Fliegerinnen aller Zeiten, 1899-1971 - Eintrag ohne Datum, wohl Mai/Juni 1927: "Die Fliegerwelt ist klein" - weiterer Eintrag: 5.3.1930) - Hanna Reitsch (Fliegerlegende, 1912-1979 - 9. März 1952 und als Teilnehmerin des I. Fliegerballs 1953 im Astoria Bremen) - Hans Reuter (Industrieller, 1895-1982 - 26.8.1934) - Ludwig Roselius (Industrieller, Gründer von Kaffee Hag, 1874-1943 - Mai 1931) - Siegfried Graf Schack von Wittenau (Pilot, gest. 1981 - 20.9.1934) - Melitta Schenk, Gräfin von Stauffenberg (Jagdfliegerin, bekannt als "Melitta Schiller", 1903-1945 - 13.4.1931 und 21.10.1931) - Richard Schittenhelm (Luftwaffenoffzier, 1912-1936 - 11./12.3.1933, mit Zeichnung seines Flugzeugs, D 1242) - Lisl Schwab (erste Kunstfliegerin in Bayern, 1900-1967 - 27.8.1934 und 9.10.1932: "Bremen hat seinen ganz besonderen Wind") - Friedrich Siebel (Pilot und Flugzeugfabrikant, 1891-1954 - Eintrag als Teilnehmer des I. Fliegerballs 1953 im Astoria Bremen) - Heinz Hugo Starke (Flugleiter - 23.7.1927) - Kurt Waldemar Tank (Flugzeugkonstrukteur und Flieger, 1898-1983 - März 1934 - verfasste am 29.9.1964 den letzten Eintrag in dem Gästebuch, zur Erinnerung an die gemeinsamen Erlebnisse) - Wilhelm Tengelmann (Bergassessor und Unternehmer, 1901-1949 - 27.5.1934) - Ernst Udet (Jagdfliegerlegende, 1896-1941 - 17.8.1929, mit halbseitiger Federzeichnung einer Karikatur, die ihn selbst am Steuer seiner berühmten roten D 822 zeigt. 30.9.1931, mit halbseitiger Federzeichnung, karikierendes Selbstporträt im Cockpit, unter Udets Signatur die seines Mechanikers Erich Baier, 3.10.1931. - Weiterer Eintrag: 26.8.1934) - Robert Untucht (Flugkapitän, Rekordflieger, Fernostflug mit Carl August von Gablenz 1937, gestorben Dezember 1938 - Oktober 1929) - Georg Zinsmaier (Chefpilot bei Dornier in Friedrichshafen - 22.8.1926, Eintrag mit Photo eines Dornier-Flugzeugs auf dem Rollfeld und Zeichnung beim Flug, diese signiert von Franz-Zeno Diemer). Zinsmaier als Chefpilot und die Dornier-Piloten Egon Fath und Richard Wagner (beide auch im Album vertreten) stellten im darauf folgenden Sommer insgesamt acht Weltrekorde mit der Do D auf). - Einträge finden sich auch von ganzen Flieger-Gruppen, die teils zu besonderen Anlässen nach Bremen kamen, darunter die "Zweigstelle Staaken der D. V. S." sowie "Centrale Berlin der D. V. S.", am 18.6.1928, mit zahlreichen Unterschriften, ein Eintrag anlässlich des Deutschlandflugs 1934 (Rückkehr in den Heimathafen Bremen, unter den Teilnehmern Kurt Waldemar Tank und Wilhelm Harzog) - sowie die erneute Durchführung des Ereignisses, erstmalig nach 1945, vom 22.-24. Juni 1956, ein großer Eintrag mit ca. 45 Unterschriften auf drei Seiten (anlässlich der Zwischenlandung in Bremen am 22. Juni, darunter die Fliegerin Elly Beinhorn (1907-2007), der Luftwaffengeneral Richard Reimann (1892-1970), der Maschinenbau-Ingenieur und Unternehmer aus der Quandt-Familie, Harald Quandt (1921-1967), und der Pilot Dieter Seelmann, ein Filmemacher und Freund von Hardy Krüger). Zum Europarundflug 1934 am 23.9.1934 finden sich insgesamt 18 Signaturen, darunter der Flieger Karl Francke (mit Familie), der den Wettbewerb "Minimaler Kraftstoffverbrauch" gewann, eine Seite ist der "Erinnerung an den deutschen Raketen-Flugzeug Start 9. April 33" gewidmet (mit humoristischem Foto), ein Eintrag illustriert den Werbeflug der Abdulla-Zigaretten-Fabrik in Berlin, gestartet von Staaken, zur "Nordseebäder-Tournée 1932", mit einer hübschen Zeichnung, daneben Fliegerteams, die Luftbildaufnahmen machten, wie etwa die "Hansa Luftbild", oder auch Besatzungsmitglieder des Flugdienstes "Kindermöve" aus dem Jahr 1934. - Von der großen Hanna Reitsch liegt ein Telegramm aus Frankfurt am Main bei, mit einer Absage, am "grössten Fliegerfest des Jahres" wegen Kopfgrippe nicht teilnehmen zu können. Immer wieder finden sich auch Vertreter des Hochadels, neben den schon genannten auch Friedrich Prinz von Preußen, Louis Ferdinand und Kira von Preußen und der Freiherr von Ledebur. Ausländische Gäste kamen unter anderem aus London, den Niederlanden, Shanghai, Italien und den USA, drei holländische Piloten machten auf der Rückreise von Batavia (Jakarta) nach Amsterdam Station "zehn Tage wegen Benzinmangels in Bremen gestrandet" (15.2.1931 - Eintrag mit zwei kleinen Porträt-Photographien). Im Jahr 1952 ist eine Piloten-Hochzeit dokumentiert. Neben solchen Höhepunkten und Feiern ist aber auch die Schattenseite der Fliegerei in diesen beiden Alben ständig vertreten: Viele der Einträge sind mit nachträglichen Vermerken versehen "abgestürzt", meist unter Angabe des Ortes und des exakten Datums. - Beiliegend einige Blätter (Zeitungsausschnitte, Einladungskarten und drei Briefe von 1934, 1950 und 1955). - Stellenweise leicht fingerfleckig. Der Halblederband berieben und bestoßen sowie mit teils fehlendem Rücken. Insgesamt jedoch gut erhalten.
des Bremer Vereins für Luftfahrt und des Flughafens. 2 Bände.
Bremen, 1924-64. - (23,5 x 18,5 und 25,5 x 20 cm). 85 nn. Bll./ 97 nn. Bll. (davon 39 beschrieben). Mit 7 montierten Original-Photographien, ca. 16 Zeichnungen im Text und hunderten von Einträgen von Fliegern, Industriellen und prominenten Personen aus Wissenschaft, Kunst und Kultur. Leder- bzw. Halblederband der Zeit jeweils mit dreiseitigem Goldschnitt.
Die beiden Gästebücher, die wohl wie kein zweites Dokument die Bremer Luftfahrtgeschichte über volle vier Jahrzehnte (ohne die Zeit des Zweiten Weltkriegs) illustrieren und ihre immense Bedeutung nicht nur innerhalb der deutschen, sondern auch der gesamteuropäischen Entwicklung der Fliegerei eindrucksvoll vor Augen führen. Die Einträge sind ein Who's Who der Fliegerei, fast alle Größen waren in dieser "Klause" zu Gast. Der Bremer Verein für Luftfahrt wurde 1909 durch Begeisterte für die Luftfahrt und einige Bremer Kaufleute gegründet. Auf diesen Verein, der bis heute existiert, geht die Gründung des Flughafens Bremen zurück, der ab 1910 für Vereinszwecke eingerichtet wurde und ab 1920 der kommerziellen Luftfahrt diente. Ab 1939 war der Flughafen nur noch militärischer Fliegerhorst, ab 1949 wieder Verkehrsflughafen. Die beiden vorliegenden Bände sind eine wertvolle Quelle zur Geschichte der Luftfahrt in Bremen, des Vereins und des Flughafens. In der Fliegerklause des Flughafens, die von der Familie Harzog bis zuletzt geführt wurde, fand man sich zusammen. Die Wirtin nannte man "Tante Mieze" oder auch "Mutter der Flieger, Mami Harzog". Später traf man sich im Hotel Astoria, wo ab 1953 jährliche Fliegerbälle dokumentiert sind, unter den Teilnehmern immer noch viel Prominenz der Fliegerei vor 1945. Bei den Photos handelt es sich meist um Piloten-Porträts, die teils recht launigen Zeichnungen stellen fast alle Flugzeuge dar oder es handelt sich um Karikatur-Porträts. - Das Motto des Bremer Vereins lautete "Hals und Beinbruch". Unter den Einträgen von Fliegern und Fluggästen waren auch berühmte Namen. - Der wohl prominenteste Beitrag stammt von Joachim Ringelnatz. Dieser hatte für Bremen ein ganz besonderes Faible, wie er das schon in einem 1927 veröffentlichten Gedicht zum Ausdruck brachte: "Bremen: Hier gelt ich nix, und würde gern was gelten, / Denn diese Stadt ist echt, und echt ist selten. / Reich ist die Stadt. Und schön ist ihre Haut." So erklärt sich wohl auch, warum Ringelnatz dem Gästebuch gleich eine Doppelseite widmet und sich selbst zeichnet, wie er aus den Wolken unsanft auf den Boden fällt, darunter die Zeile: "Joachim Ringelnatz, notgelandet, sehr betrübt, 1. Dez. 30". Am Rand die Namen der Städte Bremen (groß) und Stuttgart (klein, wohl das Reiseziel). Um 1930 trat Ringelnatz als reisender Vortragskünstler in einigen deutschen Städten auf, so wohl auch in Bremen. Neben die Zeichnung hat Ringelnatz den Namen seiner Kunstfigur "Kuddel Daddeldu" geschrieben. Auf der Gegenseite drei Namen in der Schrift von Ringelnatz, darunter der "Seeteufel" Felix Graf von Luckner, "als tief betrübte". Als er am 5. Mai 1932 nochmals in Bremen war, trug er sich erneut ein: "Nach 1 1/2 jähriger Carenzzeit wieder mal hier. Kuddel Daddeldu jumpte an Land. 'Es lebe der kleine Unterschied.' Ich hab Euch ja alle so gern, Kuttel", frei nach seiner "Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu". - Unter den Fliegern finden sich fast alle wichtigen deutschen Piloten der Zeit und auch einige anderer Nationen sowie erstaunlich viele Frauen, neben der alle überragenden Hanna Reitsch auch Gabriella Angelini, Liesel Bach, Thea Rasche und Melitta Schiller. - Einige ausgewählte Beiträger (in alphabetischer Reihenfolge): - Gerd Achgelis (Kunstflieger, 1908-1991 - Oktober 1928 und 22.3.1932, mit kleinem Porträtphoto, und 1953 als Teilnehmer der 25-Jahr-Feier des Ost-West-Fliegens, 14.4.1953) - Egbert Freiherr von Althaus (Major der Luftwaffe, 1894-1935 - 2.11.1929) - Gabriella (Gaby) Angelini (italienische Pilotin, Fliegerlegende, stürzte auf ihrem Flug nach Delhi 1932 ab, 1911-1932 - Eintrag 6.9.1932, "durante il mio pimo viaggio attraverso l'Europa", in ihrer Breda Ba 15) - Anton Erzherzog von Österreich (1901-1987) und sein Bruder Franz Josef (1905-1975 - 25 .8.1929) - Harald Auffahrt (Jagdpilot, 1896-1946 - 22.7.1927) - Liesel Bach (Kunstfliegerin, 1905-1992 - September 1931, auf dem "Zuverlässigkeitsflug", der über Bremen führte) - Hans Baur (Chefpilot von A. Hitler, 1897-1993 - Mai 1931 und 30.10.1932: "Mit Hitler in dem schönen Bremen.") - Lil Dagover (Schauspielerin, 1887-1980 - Eintrag ohne Datum (1926): "Für mich existieren Eisenbahnen nur noch im Notfall!" und als Ehrengast beim "Ball der Flieger" 1956) - Rudolph Deichmann (Freund Hünefelds und früherer Privatsekretär von Kaiser Wilhelm II.) - Franz-Zeno Diemer (bayerischer Flugpionier und Testpilot bei Dornier, 1889-1954, Eintrag August 1926, mit Zeichnung einer Dornier-Maschine beim Flug) - Ferdinand I., Zar von Bulgarien (1861-1948 - 9.8.1928) - Fritz Eichentopf (1926 Teilnehmer an der China-Expedition der DLH mit G 24) - Hans Grade (Maschinenbauer, Unternehmer und Flugpionier, 1879-1946 - 21.1.1934) - Erich Groth (Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg, 1907-1941 - 24.2.1935) - Hans Gygas (Konteradmiral und Direktor des Flughafens Bremen, 1872-1963 - 20.12.1927) - Alfried Gymnich (Flugkapitän, Modellflieger und Autor, 1896-1966 - 30.9.1932) - Martin Haenichen (Flugpionier, 1894-1933 - 17.9.1926, Eintrag mit kleinem Porträt-Photo) - Ada Halenza (Schriftstellerin, 1900-1990 - Eintrag als Teilnehmerin des I. Fliegerballs 1953 im Astoria Bremen) - Hellmuth Hirth (Flugpionier, Flugzeug- und Flugmotorenkonstrukteur, 1886-1938 - September 1932) - Wolf Hirth (Segelflugpionier, Ingenieur, Motorradrennfahrer und erster Präsident des Deutschen Aero Clubs nach dem Zweiten Weltkrieg, 1900-1959 - 25.11.1950, mit Zeichnung und Spruch: "Motorfliegen ist nötig und nützlich, Segelfliegen ist schön!"). - Carl Hochmuth (Pilot - 1925 der Gewinner der Klasse B beim "Deutschen Rundflug", ?-1936 - 19.12.1927 und März 1934) - Heinz Junge (Direktor der Focke-Wulf-Flugzeugbau GmbH Berlin - 2.3.1934) - Theodor Klatte (Industrieller, Flugleiter in Bremen seit 1919 - 1924) - Wilhelm Knochenhauer (Fagottvirtuose, 1872-1940 - 20.7.1925) - Erich Köhler (erster Präsident des Deutschen Bundestages, 1892-1958 - 25.2.1927) - Bruno Loerzer (Jagdflieger im Ersten und Generaloberst der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg, 1891-1960 - 4.3.1934) - Arthur Martens (Segelflugpionier und Ingenieur, stellte 1922 den ersten Stundenweltrekord im Segelfliegen auf - 27.6.1933, mit Ehefrau Lotte) - Margarete Maschmann (Opernsängerin, 1886-1978 - 15.3.1925) - Howard F. Mason (Funkingenieur, Namensgeber des Mount Mason in der Antarktis, 1901-1996 - 19.3.1929 - mit kleiner Zeichnung eines Flugzeugs) - Horst Merz (Pilot, 1891-1979 - März 1927) - Fritz Morzik (Pilot, Generalmajor, 1891-1985 - 19.7.1925 und Juni 1928) - Marga Petersen (Leichtathletin und Olympiamedaillengewinnerin, 1919-2002 - Eintrag als Teilnehmerin des I. Fliegerballs 1953 im Astoria Bremen) - Thea Rasche (Kunstfliegerin, eine der bekanntesten Fliegerinnen aller Zeiten, 1899-1971 - Eintrag ohne Datum, wohl Mai/Juni 1927: "Die Fliegerwelt ist klein" - weiterer Eintrag: 5.3.1930) - Hanna Reitsch (Fliegerlegende, 1912-1979 - 9. März 1952 und als Teilnehmerin des I. Fliegerballs 1953 im Astoria Bremen) - Hans Reuter (Industrieller, 1895-1982 - 26.8.1934) - Ludwig Roselius (Industrieller, Gründer von Kaffee Hag, 1874-1943 - Mai 1931) - Siegfried Graf Schack von Wittenau (Pilot, gest. 1981 - 20.9.1934) - Melitta Schenk, Gräfin von Stauffenberg (Jagdfliegerin, bekannt als "Melitta Schiller", 1903-1945 - 13.4.1931 und 21.10.1931) - Richard Schittenhelm (Luftwaffenoffzier, 1912-1936 - 11./12.3.1933, mit Zeichnung seines Flugzeugs, D 1242) - Lisl Schwab (erste Kunstfliegerin in Bayern, 1900-1967 - 27.8.1934 und 9.10.1932: "Bremen hat seinen ganz besonderen Wind") - Friedrich Siebel (Pilot und Flugzeugfabrikant, 1891-1954 - Eintrag als Teilnehmer des I. Fliegerballs 1953 im Astoria Bremen) - Heinz Hugo Starke (Flugleiter - 23.7.1927) - Kurt Waldemar Tank (Flugzeugkonstrukteur und Flieger, 1898-1983 - März 1934 - verfasste am 29.9.1964 den letzten Eintrag in dem Gästebuch, zur Erinnerung an die gemeinsamen Erlebnisse) - Wilhelm Tengelmann (Bergassessor und Unternehmer, 1901-1949 - 27.5.1934) - Ernst Udet (Jagdfliegerlegende, 1896-1941 - 17.8.1929, mit halbseitiger Federzeichnung einer Karikatur, die ihn selbst am Steuer seiner berühmten roten D 822 zeigt. 30.9.1931, mit halbseitiger Federzeichnung, karikierendes Selbstporträt im Cockpit, unter Udets Signatur die seines Mechanikers Erich Baier, 3.10.1931. - Weiterer Eintrag: 26.8.1934) - Robert Untucht (Flugkapitän, Rekordflieger, Fernostflug mit Carl August von Gablenz 1937, gestorben Dezember 1938 - Oktober 1929) - Georg Zinsmaier (Chefpilot bei Dornier in Friedrichshafen - 22.8.1926, Eintrag mit Photo eines Dornier-Flugzeugs auf dem Rollfeld und Zeichnung beim Flug, diese signiert von Franz-Zeno Diemer). Zinsmaier als Chefpilot und die Dornier-Piloten Egon Fath und Richard Wagner (beide auch im Album vertreten) stellten im darauf folgenden Sommer insgesamt acht Weltrekorde mit der Do D auf). - Einträge finden sich auch von ganzen Flieger-Gruppen, die teils zu besonderen Anlässen nach Bremen kamen, darunter die "Zweigstelle Staaken der D. V. S." sowie "Centrale Berlin der D. V. S.", am 18.6.1928, mit zahlreichen Unterschriften, ein Eintrag anlässlich des Deutschlandflugs 1934 (Rückkehr in den Heimathafen Bremen, unter den Teilnehmern Kurt Waldemar Tank und Wilhelm Harzog) - sowie die erneute Durchführung des Ereignisses, erstmalig nach 1945, vom 22.-24. Juni 1956, ein großer Eintrag mit ca. 45 Unterschriften auf drei Seiten (anlässlich der Zwischenlandung in Bremen am 22. Juni, darunter die Fliegerin Elly Beinhorn (1907-2007), der Luftwaffengeneral Richard Reimann (1892-1970), der Maschinenbau-Ingenieur und Unternehmer aus der Quandt-Familie, Harald Quandt (1921-1967), und der Pilot Dieter Seelmann, ein Filmemacher und Freund von Hardy Krüger). Zum Europarundflug 1934 am 23.9.1934 finden sich insgesamt 18 Signaturen, darunter der Flieger Karl Francke (mit Familie), der den Wettbewerb "Minimaler Kraftstoffverbrauch" gewann, eine Seite ist der "Erinnerung an den deutschen Raketen-Flugzeug Start 9. April 33" gewidmet (mit humoristischem Foto), ein Eintrag illustriert den Werbeflug der Abdulla-Zigaretten-Fabrik in Berlin, gestartet von Staaken, zur "Nordseebäder-Tournée 1932", mit einer hübschen Zeichnung, daneben Fliegerteams, die Luftbildaufnahmen machten, wie etwa die "Hansa Luftbild", oder auch Besatzungsmitglieder des Flugdienstes "Kindermöve" aus dem Jahr 1934. - Von der großen Hanna Reitsch liegt ein Telegramm aus Frankfurt am Main bei, mit einer Absage, am "grössten Fliegerfest des Jahres" wegen Kopfgrippe nicht teilnehmen zu können. Immer wieder finden sich auch Vertreter des Hochadels, neben den schon genannten auch Friedrich Prinz von Preußen, Louis Ferdinand und Kira von Preußen und der Freiherr von Ledebur. Ausländische Gäste kamen unter anderem aus London, den Niederlanden, Shanghai, Italien und den USA, drei holländische Piloten machten auf der Rückreise von Batavia (Jakarta) nach Amsterdam Station "zehn Tage wegen Benzinmangels in Bremen gestrandet" (15.2.1931 - Eintrag mit zwei kleinen Porträt-Photographien). Im Jahr 1952 ist eine Piloten-Hochzeit dokumentiert. Neben solchen Höhepunkten und Feiern ist aber auch die Schattenseite der Fliegerei in diesen beiden Alben ständig vertreten: Viele der Einträge sind mit nachträglichen Vermerken versehen "abgestürzt", meist unter Angabe des Ortes und des exakten Datums. - Beiliegend einige Blätter (Zeitungsausschnitte, Einladungskarten und drei Briefe von 1934, 1950 und 1955). - Stellenweise leicht fingerfleckig. Der Halblederband berieben und bestoßen sowie mit teils fehlendem Rücken. Insgesamt jedoch gut erhalten.
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