116747-01
"Leipziger Sondernummer der Zeitschrift für Physik". Hektographiertes Typoskript.
Leipzig, 29. 4. 1937. - (29,5 x 21 cm). (1) 18 num. Blätter, einseitig beschrieben. Mit eingeklebter Original-Photographie und zwei Zeichnungen im Text. Rückenbroschur in moderner Leinwand-Kassette.
Heisenbergs Hochzeitszeitung, erstellt von seinen Leipziger Kollegen, zeigt die humorvolle Seite der Physik. - Durch das Wirken von Werner Heisenberg und Friedrich Hund wurde das physikalische Seminar der Leipziger Universität in den 1930er Jahren zu einem weltweit anerkannten und führenden Zentrum für theoretische Physik. Allerdings verfügte man dort nicht nur über geballte quantenmechanische Kompetenz, sondern auch über einen gesunden Humor - das weltberühmte Seminar von Heisenberg und Hund trug nicht von ungefähr die Bezeichnung "Heisenberg mit Hund". Der privat allerdings zurückgezogen lebende Heisenberg hatte im Winter 1936/37 die Buchhändlerin Elisabeth Schumacher (1914-1998) kennengelernt und am 29. April 1937 geheiratet. Zu diesem Anlass gestalteten die Kollegen, unter Federführung von F. Hund, diese angebliche "Sondernummer der Zeitschrift für Physik". Die Richtlinien des "Herausgebers" machen sogleich deutlich, worum es geht: "Nicht die Länge bestimmt den Wert einer Arbeit, sondern der Umfang des Humors und die Prägnanz der Verse... Die Arbeit muss dem Gebiet der komischen Physik angehören... Ausgeschlossen sind jedoch Arbeiten ernsten oder gar traurigen Inhalts". Natürlich sollte das Ganze gehörig Esprit haben und ist daher voll von ironischen Anspielungen auf Heisenberg, Hund und andere Größen des Instituts sowie der dort betriebenen Forschung. - Das Heft beginnt mit einer von S. Flügge verfassten Parodie zu Goethes Faust, wobei in Faust und Wagner unschwer Heisenberg und Hund erkennbar werden. Eine "Quantenmechanische Oper von Richard Wagner" mit Titel "Heisenberg" stammt von Ugo Fano (1912-2001) aus Italien, der sich als theoretischer Physiker 1936/37 in Leipzig aufhielt. Den launigen Artikel über das "periodische System der Elemente im Leipziger... Seminar" steuerte der Physiker Bernhard Mrowka bei. Eine Heisenbergsche Vorlesung parodierte der Kernphysiker Helmut Volz in Gedichtform. Volz war wohl auch der Illustrator des Hefts, die Titelzeichnung mit zwei turtelnden Tauben und einem trompetenden Jungen trägt das ligierte Monogramm "HV". Nicht ganz ernst gemeinte "Aufsätze" u.a. zur Quantenmechanik schrieben ein gewisser "G. R. Uppenpest" (in Anspielung auf "Gruppenpest", eine von Ehrenfest schon 1928 geprägte abwertende Bezeichnung angesichts der Fülle von gruppentheoretischen Arbeiten in der Quantenmechanik). Hanfried Ludloff stellte "eine unveröffentlichte Arbeit Heisenbergs" sogar mit angeblichem Belegphoto vor. Die von Heisenberg vertretene und 1936 publizierte Theorie der Schauer in der Höhenstrahlung ist immer wieder Ziel von Anspielungen in den Beiträgen. Die Titel klingen oft sehr plausibel physikalisch, sind aber immer mit Satire gespickt. Am Ende eine Art Annonce aus "Forschung und Technik" über einen angeblich von F. Hund erfundenen Prüfapparat mit Lochkarten für die Studenten. - Das Heft ist dem Anlass entsprechend in nur wenigen hektographierten Exemplaren für einen kleinen Freundes- und Kollegenkreis hergestellt worden. Unser Exemplar könnte somit das einzige noch existierende sein, jedenfalls ist über den KVK kein weiteres nachweisbar. An wenigen Stellen wurde Druckunschärfe oder -ausfall von Hand nachgebessert (möglicherweise von Hund), insofern ist es auch in dieser Hinsicht ein Unikat. - Die Photographie lose beiliegend. Stellenweise leicht gebräunt und gering fleckig, sonst wohlerhalten. - Ein außergewöhnliches Dokument zur Geschichte der Quantenphysik am Leipziger Institut mit vielen Anspielungen und gleichzeitig ein schönes und interessantes Zeugnis zum privaten und beruflichen Werdegang von Heisenberg.
"Leipziger Sondernummer der Zeitschrift für Physik". Hektographiertes Typoskript.
Leipzig, 29. 4. 1937. - (29,5 x 21 cm). (1) 18 num. Blätter, einseitig beschrieben. Mit eingeklebter Original-Photographie und zwei Zeichnungen im Text. Rückenbroschur in moderner Leinwand-Kassette.
Heisenbergs Hochzeitszeitung, erstellt von seinen Leipziger Kollegen, zeigt die humorvolle Seite der Physik. - Durch das Wirken von Werner Heisenberg und Friedrich Hund wurde das physikalische Seminar der Leipziger Universität in den 1930er Jahren zu einem weltweit anerkannten und führenden Zentrum für theoretische Physik. Allerdings verfügte man dort nicht nur über geballte quantenmechanische Kompetenz, sondern auch über einen gesunden Humor - das weltberühmte Seminar von Heisenberg und Hund trug nicht von ungefähr die Bezeichnung "Heisenberg mit Hund". Der privat allerdings zurückgezogen lebende Heisenberg hatte im Winter 1936/37 die Buchhändlerin Elisabeth Schumacher (1914-1998) kennengelernt und am 29. April 1937 geheiratet. Zu diesem Anlass gestalteten die Kollegen, unter Federführung von F. Hund, diese angebliche "Sondernummer der Zeitschrift für Physik". Die Richtlinien des "Herausgebers" machen sogleich deutlich, worum es geht: "Nicht die Länge bestimmt den Wert einer Arbeit, sondern der Umfang des Humors und die Prägnanz der Verse... Die Arbeit muss dem Gebiet der komischen Physik angehören... Ausgeschlossen sind jedoch Arbeiten ernsten oder gar traurigen Inhalts". Natürlich sollte das Ganze gehörig Esprit haben und ist daher voll von ironischen Anspielungen auf Heisenberg, Hund und andere Größen des Instituts sowie der dort betriebenen Forschung. - Das Heft beginnt mit einer von S. Flügge verfassten Parodie zu Goethes Faust, wobei in Faust und Wagner unschwer Heisenberg und Hund erkennbar werden. Eine "Quantenmechanische Oper von Richard Wagner" mit Titel "Heisenberg" stammt von Ugo Fano (1912-2001) aus Italien, der sich als theoretischer Physiker 1936/37 in Leipzig aufhielt. Den launigen Artikel über das "periodische System der Elemente im Leipziger... Seminar" steuerte der Physiker Bernhard Mrowka bei. Eine Heisenbergsche Vorlesung parodierte der Kernphysiker Helmut Volz in Gedichtform. Volz war wohl auch der Illustrator des Hefts, die Titelzeichnung mit zwei turtelnden Tauben und einem trompetenden Jungen trägt das ligierte Monogramm "HV". Nicht ganz ernst gemeinte "Aufsätze" u.a. zur Quantenmechanik schrieben ein gewisser "G. R. Uppenpest" (in Anspielung auf "Gruppenpest", eine von Ehrenfest schon 1928 geprägte abwertende Bezeichnung angesichts der Fülle von gruppentheoretischen Arbeiten in der Quantenmechanik). Hanfried Ludloff stellte "eine unveröffentlichte Arbeit Heisenbergs" sogar mit angeblichem Belegphoto vor. Die von Heisenberg vertretene und 1936 publizierte Theorie der Schauer in der Höhenstrahlung ist immer wieder Ziel von Anspielungen in den Beiträgen. Die Titel klingen oft sehr plausibel physikalisch, sind aber immer mit Satire gespickt. Am Ende eine Art Annonce aus "Forschung und Technik" über einen angeblich von F. Hund erfundenen Prüfapparat mit Lochkarten für die Studenten. - Das Heft ist dem Anlass entsprechend in nur wenigen hektographierten Exemplaren für einen kleinen Freundes- und Kollegenkreis hergestellt worden. Unser Exemplar könnte somit das einzige noch existierende sein, jedenfalls ist über den KVK kein weiteres nachweisbar. An wenigen Stellen wurde Druckunschärfe oder -ausfall von Hand nachgebessert (möglicherweise von Hund), insofern ist es auch in dieser Hinsicht ein Unikat. - Die Photographie lose beiliegend. Stellenweise leicht gebräunt und gering fleckig, sonst wohlerhalten. - Ein außergewöhnliches Dokument zur Geschichte der Quantenphysik am Leipziger Institut mit vielen Anspielungen und gleichzeitig ein schönes und interessantes Zeugnis zum privaten und beruflichen Werdegang von Heisenberg.
8.500 €