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Artikel 105355-01


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105355-01  Helmont, Jean Baptiste van.
Aufgang der Artzney-Kunst. Das ist: Noch nie erhörte Grund-Lehren von der Natur, zu einer neuen Beförderung der Artzney-Sachen, sowol die Kranckheiten zu vertreiben, als ein langes Leben zu erlangen. (34 x 21,5 cm). (32) 1270 (62 (2w)) S. Mit gestochenem Frontispiz, gezeichnet von J. J. Sandrart, und einem von J. A. Börner gestochenen Porträt. Blindgeprägter Schweinslederband über Holzdeckel mit zwei intakten Schließen.
Sulzbach, Holst für Endter, 1683.
Erste deutsche Ausgabe von Helmonts Hauptwerk "Ortus medicinae", "dessen lat(einische) Urfassung erst 1648 posthum von dessen Sohn Franciscus Mercurius van Helmont herausgegeben worden war. Zum Teil noch im Banne alchemistischen Gedankenguts stehend, bahnt das Werk mit neuen wissenschaftlichen Methoden den Weg zur modernen Chemie" (Dünnhaupt). - Die besondere Bedeutung der vorliegenden Ausgabe besteht darin, dass die Übersetzung und Bearbeitung durch den Kabbalisten Christian Knorr von Rosenroth erfolgte, der mit Franciscus Mercurius van Helmont eng befreundet war. "In dieser erweiterten Auflage wird die Verschmelzung paracelsischer und helmontischer Lehren mit einer christlich-theosophisch ausgelegten Kabbala noch deutlicher als in den früheren Auflagen der 'Artzney-Kunst'.... In (ihr) wird der Versuch unternommen, das Naturalphabet einer 'Naturgrammatik' anzunähern... In zahlreichen Anmerkungen zum Originaltext bezeichnet Knorr sich selbst als einen 'alten Laboranten', der 'in dieser Materie nichts unversucht gelassen'. Der ältere Helmont und mit ihm sein Sohn und Knorr haben die paracelsisch geprägte Naturauffassung modifiziert und verfeinert. Daher sind auch nicht, wie bei Paracelsus, Schwefel, Quecksilber und Salz die drei Grundbestandteile der Natur, sondern nur die zwei 'Elementa primogenia', nämlich das Wasser und die Luft. Beide sind die zwei absoluten und unwandelbaren 'Urfermente'" (Frick, Die Erleuchteten S. 333). - Der erheblich größere Umfang der vorliegenden Bearbeitung gegenüber der lateinischen Originalausgabe von 1648 (800 S. im Quart-Format) resultiert nicht nur aus zahlreichen Kommentaren, sondern auch aus Beschreibungen von Knorrs eigenen chemisch-alchemistischen Experimenten. - Zur Bedeutung des Grundwerks schreiben Carter/Muir "Viele von Helmonts allgemeinen Grundsätzen waren von denen seines Lehrmeisters Paracelsus hergeleitet. Gleich Paracelsus beschränkt er seine Studien nicht auf spezifische, abgegrenzte Gebiete, sondern betrachtet alles von einem universalen Standpunkt aus. Er strebte nach einem kosmologischen System und einer einheitlichen Auffassung der Naturwissenschaft, die sämtliche Erscheinungen umfassen würde. Seine metaphysischen und religiösen Anschauungen führten ihn zur Aufgabe der scholastischen Denkformen, und damit gelangte er, indem er der theoretischen Spekulation abschwor, dazu, im Experiment und in der Empirie die Hauptpfade zur Erkenntnis zu erblicken. Obwohl er zur Mystik neigte, wurde er nichtsdestoweniger ein erstaunlicher wissenschaftlicher Forscher und trug Bedeutendes zum Fortschritt von Medizin und Chemie bei... Helmonts Bedeutung für die Entwicklung der Chemie ist womöglich noch größer. Er verwendete als erster die Bezeichung 'Gas'... Er erkannte, daß 'Gas' etwas anderes war als Luft und Wasserdampf, und unterschied die verschiedenen Quellen entstammenden Gase, darunter jenes, welches wir heute Kohlendioxyd nennen. Er verwendete die Waagschale in der Chemie, wies in vielen Fällen die Unzerstörbarkeit der Materie bei chemischen Veränderungen nach und war der Überzeugung, daß das Wasser der Urstoff der Materie sei". - Stellenweise etwas gebräunt bzw. stockfleckig. Einige Blätter nach S. 1259 mit kleinem Loch im weißen Außenrand. Einband leicht fleckig und bestoßen. Insgesamt dekoratives Exemplar in guter Erhaltung. - Ferchl 224; Ferguson I, 380; Wellcome III, 242; VD17 12:169658U; Dünnhaupt 2381, 17; Brüning 2544; vgl. PMM 135 (lat. EA)

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