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Artikel 110559-01


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110559-01  Medizinisches Handbuch des Chirurgen,
Baders und Feldscherers David Ferdinand Caesar aus Neustadt an der Saale. Deutsche Handschrift auf Papier. (16,5 x 10 cm). 232 pag. S. (S. 79 und 88 übersprungen), eng beschrieben. Halblederband der Zeit mit intakten Schließbändern.
Ohne Ort (Wohl Neustadt, Ca. 1600).
Sehr umfang- und inhaltsreiches Handbuch, das annähernd das gesamte Wissen der medizinischen und pharmazeutischen Praxis der Zeit repräsentiert, versehen mit der Überschrift: "Hier in diesen Büchlein thue ich zu Wiessen die vornembsten sachen die einem baader oder feldscherer zu wiessen notwendig seind". Auf den Innendeckeln nennt sich der Verfasser (der Band zeigt durchgehend die gleiche Handschrift) "David Ferdinandus Caesar Chirurgus Neostadij ad Saalam". Der vordere Innendeckel enthält dazu als Symbol der ärztlichen Zunft eine interessante Federzeichnung: ein Dreieck, bestehend aus einer netzförmig "gewebten", züngelnden Schlange. Den Anfang bildet eine lange Reihe von Fragen und Antworten für Diagnose und Therapie: "Erstlich will ich schreiben von den pflastern, was wilt du zu dem emplastro Apostolico nehmen: Ich wolt nehmen..." Es folgen mit Zeichen für Maßangaben Mittel wie "silberglott", "baumöhl", "gelb wachs", "weiß wachs", "grigisch Gechana", "Gummi galbani", "ammoniaci opopanacis in Essig solviert" etc. Die unzähligen Fragestellungen, Diagnosen und Therapien, Rezepte und Verfahren sind grob nach Gebieten geordnet, z.B. nach Beschaffenheit und Fähigkeiten des Mittels, z.B. Wasser. Andere Kapitel gliedern sich nach anatomischen Aspekten, wobei dann Grundsätzliches über Beschaffenheit und Funktion des Körperteils vorangestellt ist. Für jedes Leiden ist meist eine größere Anzahl von therapeutischen Maßnahmen und pharmazeutischen Rezepten angegeben, aber sehr kurz gefaßt, so dass dem behandelnden Arzt viel Entscheidungsspielraum bleibt. Sehr viele Begriffe und Maße aus der Alchemie finden Verwendung. Auffallend sind manche Dialekt-Eigentümlichkeiten ("Nadur" für Natur) oder Sprachformen (häufig "wiltu" statt "willst du"), die auf ältere Quellen schließen lassen; gelegentlich sind solche auch genannt, wie z.B. Paracelsus. Am Schluss ein umfangreiches Register. - Gering fingerfleckig. Vorderer Vorsatz vermutlich durch ein entferntes Exlibris beschädigt. Zwei Seiten mit Fleck und Streichungen in Tinte (die Lesbarkeit nicht betroffen). Die letzte Registerseite mit dem hinteren Deckel verklebt. Einband stärker berieben und bestoßen. Trotz der Gebrauchspuren für ein derartiges Werk gut erhalten. - Sehr gehaltvolles, bedeutendes Zeugnis der angewandten Medizin um 1600

1.200 €